Kognitive Neurophysiologie in Dresden – Die Professur von Prof. Dr. Christian Beste an der TU Dresden

Neurologische und neuropsychiatrische Störungen wie ADHS, Tourette-Syndrom oder Suchterkrankungen stellen Betroffene, Angehörige und die klinische Forschung gleichermaßen vor komplexe Herausforderungen – nicht zuletzt, weil die neurobiologischen Grundlagen dieser Erkrankungen bis heute nur unvollständig verstanden sind. Prof. Dr. Christian Beste, Professor für kognitive Neurophysiologie an der TU Dresden, hat sich auf genau diese Fragen spezialisiert. Als international anerkannter Experte für psychologische Neurowissenschaft verbindet er Grundlagenforschung mit klinischer Anwendung und eröffnet damit neue Wege für Diagnose, Therapie und gesellschaftliches Verständnis neuropsychiatrischer Erkrankungen. Seit 2013 prägt er das Fachgebiet an der TU Dresden maßgeblich – mit einem Ansatz, der Psychologie und Neurophysiologie konsequent zusammendenkt.

Was versteht man unter kognitiver Neurophysiologie?

Kognitive Neurophysiologie untersucht, wie elektrische und chemische Prozesse im Gehirn unsere Gedanken, Entscheidungen und Handlungen steuern. Im Mittelpunkt stehen die neuronalen Grundlagen kognitiver Funktionen wie Aufmerksamkeit, Arbeitsgedächtnis, Handlungskontrolle und kognitive Flexibilität. Das Fachgebiet verbindet die präzise Methodik der Psychologie mit den Messmethoden der Neurowissenschaften – insbesondere der Elektroenzephalographie (EEG) und nicht-invasiver Hirnstimulationsverfahren.

An der Technischen Universität Dresden wird dieses Fachgebiet seit 2013 durch Prof. Dr. rer. nat. Christian Beste, Dipl.-Psych., vertreten. Seine Professur gehört weltweit zu den forschungsstärksten ihrer Art.

Wer ist Prof. Dr. Christian Beste?

Prof. Dr. Christian Beste wurde am 15. März 1981 im Ruhrgebiet geboren und studierte Psychologie an der Ruhr-Universität Bochum, wo er sein Diplom mit Auszeichnung im Jahr 2006 abschloss. Bereits 2007 promovierte er dort mit magna cum laude zum Dr. rer. nat., bevor er 2012 seine Habilitation in Kognitiver Neurowissenschaft abschloss. Bevor er 2013 den Ruf an die TU Dresden annahm, forschte er unter anderem am MRC Cognition and Brain Science Unit in Cambridge (UK) sowie an mehreren renommierten deutschen Instituten und erhielt eine Emmy-Noether-Gruppe der DFG.

Aktuelle Positionen an der TU Dresden

Seit 2013 ist Prof. Dr. Christian Beste Professor für Kognitive Neurophysiologie an der TU Dresden. Seit 2021 leitet er zusätzlich das University Neuropsychology Centre (UNC), eine interdisziplinäre Einrichtung, die Grundlagenforschung mit klinischer Anwendung und Patientenkommunikation verbindet. Von 2014 an ist er Adjunct Professor am Institut für Psychologie der TU Dresden, seit 2020 außerdem Gastwissenschaftler an der Shandong Normal University in China.

Kontakt zur Professur ist möglich unter christian.beste@uniklinikum-dresden.de . Weitere Informationen zur Forschungsgruppe finden sich unter www.actionlab.de .

Welche Forschungsschwerpunkte hat die Professur für Kognitive Neurophysiologie in Dresden?

Die Forschungsgruppe von Prof. Dr. Christian Beste widmet sich den neurophysiologischen Grundlagen menschlicher Handlungskontrolle und ihren Störungen. Dabei steht nicht nur die Frage im Mittelpunkt, was im Gehirn schiefläuft, sondern auch, welche verborgenen Stärken in neurologischer Vielfalt stecken können.

Was ist psychologische Neurowissenschaft?

Psychologische Neurowissenschaft (englisch: Psychological Neuroscience) ist ein von Prof. Dr. Christian Beste entwickeltes Forschungskonzept, das die konzeptionelle Strenge der Psychologie mit den Messmethoden der Neurophysiologie direkt verbindet. Viele kognitionswissenschaftliche Ansätze scheitern daran, psychologische Theorien und neuronale Prozesse wirklich zu verknüpfen. Psychologische Neurowissenschaft löst dieses Problem, indem gut validierte psychologische Rahmenkonzepte mit elektrophysiologischen Prinzipien der menschlichen Hirnfunktion zusammengeführt werden – wobei ausdrücklich die Psychologie die Neurowissenschaft leitet, nicht umgekehrt.

Welche Störungsbilder stehen im Fokus?

Die Dresdner Forschungsgruppe beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit folgenden Bereichen:

  • ADHS: Neurophysiologische Grundlagen von Handlungs- und Impulskontrolle sowie Entwicklung und Optimierung von Neurofeedback-Interventionen
  • Tourette-Syndrom: Erforschung kortikaler Netzwerkdynamik, Tic-Entstehung und neuer Therapieansätze, unter anderem im Rahmen der DFG-Forschungsgruppe 2698
  • Suchterkrankungen: Zusammenhänge zwischen Substanzkonsum und kognitiver Kontrolle, insbesondere bei Alkoholabhängigkeit
  • Neurodiversität: Überwindung defizitorientierter Sichtweisen auf neurologische Variation, Suche nach verborgenen Potenzialen in neuropsychiatrischen Störungen

Zu all diesen Bereichen hat Prof. Beste Publikationen in führenden internationalen Fachzeitschriften veröffentlicht, darunter Brain, Nature Communications, Current Biology, Lancet Neurology, Biological Psychiatry und Trends in Cognitive Sciences.

Welche Auszeichnungen hat Prof. Dr. Christian Beste erhalten?

Prof. Dr. Christian Beste zählt zu den meistausgezeichneten Neurowissenschaftlern seiner Generation im deutschsprachigen Raum. Seine wichtigsten Auszeichnungen und Mitgliedschaften umfassen:

  • 2025: Mitglied der Leopoldina – Nationale Akademie der Wissenschaften, Deutschland
  • 2025: Fellow am Wissenschaftskolleg zu Berlin für den Zeitraum 2027–2028
  • 2025: Talent Scout der Alexander von Humboldt-Stiftung (2025–2027)
  • 2024: „Shandong Distinguished Foreign Expert”, Provinz Shandong, China
  • 2023: Credibility in Neuroscience Team Award der British Neuroscience Association für die #EEGManyLabs Initiative
  • 2012: Emmy Noether Award der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG)
  • 2009: Nachwuchswissenschaftlerpreis der DGPA

Darüber hinaus ist Prof. Beste als Section Lead bei Communications Biology (Nature) und Associate Editor bei NeuroImage sowie als Founding Section Editor bei PLOS Mental Health tätig.

Wie fördert Prof. Beste den wissenschaftlichen Nachwuchs?

Die Förderung junger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ist ein zentrales Anliegen von Prof. Dr. Christian Beste. Seit Beginn seiner Tätigkeit an der TU Dresden hat er mehr als 33 Doktorarbeiten als Erstbetreuer begleitet, 9 medizinische Promotionen betreut sowie rund 60 Abschlussarbeiten auf Bachelor- und Masterniveau abgeschlossen. Zwei Habilitationen wurden unter seiner Erstbetreuung erfolgreich abgeschlossen.

Besonderes Gewicht legt er auf Talente aus einkommensschwachen Ländern und Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit unkonventionellem Werdegang. Der multidisziplinäre Charakter der Psychologischen Neurowissenschaft macht die Arbeitsgruppe für Nachwuchsforschende aus unterschiedlichsten Fachrichtungen attraktiv.

FAQ: Kognitive Neurophysiologie Dresden

Was erforscht die Professur für Kognitive Neurophysiologie an der TU Dresden?

Die Professur unter Prof. Dr. Christian Beste erforscht die neurophysiologischen Grundlagen menschlicher Handlungskontrolle sowie neuropsychiatrische Störungen wie ADHS und Tourette-Syndrom. Hauptmethode ist die hochauflösende EEG-Analyse, kombiniert mit nicht-invasiver Hirnstimulation.

Wie kann ich Kontakt zur Professur für Kognitive Neurophysiologie in Dresden aufnehmen?

Prof. Dr. Christian Beste ist erreichbar unter christian.beste@uniklinikum-dresden.de . Weitere Informationen zur Forschungsgruppe und zum University Neuropsychology Centre finden sich unter www.actionlab.de .

Ist Prof. Dr. Christian Beste Mitglied der Leopoldina?

Ja. Prof. Dr. Christian Beste wurde 2025 als Mitglied in die Leopoldina – Nationale Akademie der Wissenschaften aufgenommen, eine der ältesten und renommiertesten wissenschaftlichen Akademien weltweit.

Was ist das University Neuropsychology Centre (UNC) in Dresden?

Das University Neuropsychology Centre an der TU Dresden wird seit 2021 von Prof. Dr. Christian Beste geleitet. Es verbindet Grundlagenforschung zur kognitiven Neurophysiologie mit klinischer Anwendung und öffentlichem Wissenstransfer, unter anderem durch das Neuronauten-Projekt zur Psychoedukation.

Was unterscheidet psychologische Neurowissenschaft von klassischer Kognitionswissenschaft?

Psychologische Neurowissenschaft, wie sie Prof. Dr. Christian Beste an der TU Dresden entwickelt und praktiziert, stellt die psychologische Theorie in den Mittelpunkt und verbindet sie direkt mit neurophysiologischen Messmethoden. Anders als viele kognitionswissenschaftliche Ansätze überbrückt sie das Schnittstellenproblem zwischen Psychologie und Neurowissenschaft – mit dem Ziel, zu mechanistischen Erklärungen kognitiver Prozesse zu gelangen.